Fußball üben zu Hause: was dein Kind wirklich besser macht
Im Vereinstraining passiert es nicht, dafür ist zu wenig Zeit am Ball. Was zu Hause hilft, was nichts bringt und wie du übst, ohne zu trainieren.
9 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Mein Kind spielt gern, aber es tritt auf der Stelle. Wie wird es besser?“ Nicht im Training. Zwei Einheiten in der Woche sind zusammen rund zwei bis drei Stunden, bei uns geteilt durch vierzehn Kinder und zwei Trainer, minus Aufbau, Ansage und Trinkpause. Was davon übrig bleibt, macht kein Kind besser. Wer besser werden will, braucht Wiederholungen, und die entstehen zu Hause, auf dem Schulhof und im Hof.
Die Rechnung unterstellt, dass sich die Zeit gleichmäßig verteilt, und das tut sie nicht. Zehn Kinder laufen dem Ball hinterher, gespielt wird von zweien, im besten Fall von vieren. Die übrigen sind die ganze Einheit dabei, ohne dass sie am Ball sind. Woran du ein Training erkennst, in dem jedes Kind oft am Ball ist, steht in Trainingsphilosophie Deutschland: was Eltern am Platz sehen.
Der DFB sagt es selbst: „Egal, wie gut das Training ist: Von zwei Trainingseinheiten pro Woche und einem Spieltag wird kein Spieler und keine Spielerin richtig gut“ (Trainingsphilosophie Deutschland, Fassung vom 14.10.2024, Seite 12). Das hier ist Kapitel 16 des Elternleitfadens.
Viel hilft viel
Meine Meinung, und sie steht hier ausdrücklich als Meinung: Viel hilft viel. Fußball ist in dieser Hinsicht eine lineare Sache, wer viel spielt, kommt weiter. Talent gibt es, lernbar ist aus meiner Sicht trotzdem fast alles, und bis neun sehe ich keinen Grund, warum aus einem Kind kein richtig guter Fußballer werden sollte, wenn es selbst will und Spaß dabei hat.
Die Kinder, die in der G- und F-Jugend herausstechen, haben den Ball nicht zweimal in der Woche am Fuß, sondern sechs- bis neunmal: vor der Schule, in der Pause, nach der Schule, an der Bushaltestelle, im Training, im Hof, im Garten. Eins gegen eins mit dem Nachbarskind, gegen die Wand, mit dem großen Bruder, mit dem kleinen. Keines dieser Kinder trainiert. Es spielt. Warum das heute selten von allein passiert und wie du es anstößt, steht in Verein oder Bolzplatz.
Wenn du dein Kind fördern willst, musst du zwei Dinge hinbekommen: dass es Fußball spielen will, und dass es die Gelegenheit dazu hat. Wenn ein Kind Feuer gefangen hat, die Fortschritte spürt und die Erfolge kommen, kann so ein Sport süchtig machen. Das geht bei einem Kind auf, das im Zweifel auch allein mit dem Ball loszieht, und eher nicht bei einem, das man mit Aufmerksamkeit überschüttet, weil die Eltern es wollen.
Wer will das eigentlich?
Ein Anzeichen dafür, dass die Antwort „ich“ lautet und nicht „mein Kind“: Du holst den Ball aus der Kiste, dein Kind holt ihn nie von selbst. Daran, das Kind zu motivieren, ist nichts verkehrt. Es muss nur selbst ein Interesse daran haben, besser zu werden.
Es gibt Kinder, die eine ganze Einheit nebenherlaufen, den Ball kein einziges Mal berühren und zufrieden nach Hause gehen. Für die Kinder ist das erstmal kein Problem. Wer diesem Kind Gelegenheiten organisiert, löst eines, das das Kind nicht hat. Irgendwann wird es aber eins, weil das Kind keine Fortschritte mehr spürt.
Beim Kind am anderen Ende, dem, das nicht vom Ball zu trennen ist, besteht deine ganze Aufgabe darin, ihm nicht im Weg zu stehen.
Was hilft und was nichts bringt
| Hilft | Bringt nichts |
|---|---|
| Ein Ball, der im Flur liegt und nicht in der Tasche wohnt | Teurere Schuhe |
| Eine Wand | Ein Privattrainer als Ersatz für Zeit am Ball |
| Zehn Minuten, dafür öfter | Eine Stunde am Sonntag nach Plan |
| Ein Gegenüber: das Nachbarskind, der große Bruder, der kleine, du | Ein drittes Vereinstraining |
| Freies Spiel mit anderen Kindern, ohne Erwachsenen dabei | Videos vom eigenen Kind ansehen und besprechen |
| Ein zweiter Sport | Wettkampf im Garten: Tore zählen, Bestzeiten, eine Tabelle am Kühlschrank |
Die Wand ist die meistunterschätzte Trainingspartnerin im Kinderfußball. Sie spielt jeden Ball zurück, sie wartet nicht, und sie sagt nichts dazu. Vier Sachen, die an einer Wand gehen, ohne dass es eine Übung wird: den Ball so gegen die Wand spielen, dass er zurückkommt, und weiterspielen, bevor er liegen bleibt. Dasselbe mit dem anderen Fuß. Den Ball aus der Luft annehmen, wenn er zurückspringt. Und zu zweit, abwechselnd, bis einer ihn verpasst.
Ein zweiter Sport, Basketball, Tennis oder Leichtathletik, ist kein Konkurrent. Ich empfehle sogar ausdrücklich, neben Fußball noch etwas anderes auszuprobieren.
Klein spielen: 1 gegen 1 und 2 gegen 2, der „Geheimtipp“
In der kleinen Form kann sich kein Kind verstecken, und keines muss warten. Für ein G-Jugend-Kind, das noch gar nicht spielen kann, es aber will, ist 1 gegen 1 die einzige Form, in der es überhaupt eine Chance hat: keine Mitspieler, hinter denen es verschwindet, und keine, denen es den Ball erst abnehmen müsste. Sobald es ein bisschen geht, ist 2 gegen 2 die bessere Form, weil man darin auch mal verschnaufen kann und trotzdem noch im Spiel ist.
Wichtiger als die Form ist, wer gegen wen spielt. Zwei Kinder auf demselben Stand gegeneinander, dann gewinnt auch mal das Kind, das sonst nie gewinnt.
Ein älterer Bruder ist ein guter Gegner, wenn er sich anpassen kann. Wenn nicht, ist er für das jüngere Kind vor allem frustrierend.
Wie du dabei bist, ohne zu trainieren
Die Regeln für Fußballeltern:
- Nicht korrigieren.
- Nicht zählen.
- Nicht bewerten.
- Die Kinder entscheiden lassen, worauf sie Lust haben, und auch, wann Schluss ist.
- Mitspielen statt anleiten.
Das Nicht-Korrigieren ist brutal hart. Sechs- und Siebenjährige probieren verrückte Dinge aus, allen ist klar, dass es schiefgeht, und es geht schief. Nicht bewerten heißt allerdings auch nicht schweigen.
Was du sagst, wenn der Schuss danebengeht
„Coole Idee. Hopp nochmal.“ Das ist der Satz, auch wenn der Schuss zehn Meter neben das Tor ging. Nicht, um das Kind anzulügen. Ein Kind, das nach jedem Versuch hört, was daran nicht stimmte, verbindet das Üben mit Misslingen und hört auf. Und am Anfang wird gar nichts funktionieren.
Die Grenze dabei: Kinder merken, wenn gelobt wird, was offensichtlich nichts war. Am längsten trägt das Lob für das, was tatsächlich passiert ist: dass es den Schuss überhaupt genommen hat, dass es hinterhergelaufen ist, dass es den Ball behauptet hat. „Coole Idee. Hopp nochmal“ und „Gut hinterher“ reichen. „Guck mal, so geht das“ und „Warum hast du nicht …?“ sparst du dir.
Was in einem Jahr passiert
Ein Kind, das zehn Minuten am Tag spielt, ist nach einem Jahr besser, aber nicht plötzlich der Beste der Mannschaft. Es bekommt den Ball und weiß schneller, was es damit macht, weil es die Situation schon einmal erlebt hat. Von außen ist dieser Fortschritt fast unsichtbar.
Bei einem Kind, dem die Sache wirklich Spaß macht, werden aus zehn Minuten neunzig, ohne dass jemand nachhilft: in der Pause, im Hof, vor dem Abendessen. Irgendwann fordert es das Spielen ein, statt mitzumachen, wenn du fragst. Dann geht die Kurve steil nach oben, und man sieht es innerhalb eines Jahres.
Dazu kommt, was ohne dein Zutun passiert. Kinder werden in einem Jahr reifer, kräftiger und koordinierter, und auf dem Platz merkt man das sofort. Fortschritt ist immer beides, Üben und Wachsen.
Was Üben mit vier heißt und mit zehn
Zwischen vier und zehn übt ein Kind zu Hause nicht dasselbe in kleineren Portionen, sondern etwas anderes. Wer dabei sein muss, steht schon in der Staffel zu Verein oder Bolzplatz, Kapitel 03. Hier steht, was du tust und was du lässt.
| Alter | Was Üben hier heißt | Was du tust | Was hier nichts bringt |
|---|---|---|---|
| 3–4 Jahre (vor G) | Kein Üben, sondern Herumkommen: treten, werfen, hinterherlaufen, liegen lassen | Du spielst mit. Der einzige Beschluss, den du fasst, ist, dass ein Ball im Flur liegt | Jede Wiederholung, jede Ansage, jedes Tor als Ziel. Es gibt auf dieser Stufe nichts zu üben |
| 5–6 Jahre (G, Bambini) | Ball und Wand, allein: dribbeln, schießen, wieder holen. Dazu 1 gegen 1 gegen dich oder das Geschwisterkind | Du bist der Gegner. Zwei Jacken, kein Aufbau, und du verlierst hin und wieder | Passspiel und alles, was einen Mitspieler voraussetzt. Den gibt es im Kopf noch nicht |
| 7–8 Jahre (F) | Der Ball soll zurückkommen: gegen die Wand und mit einem anderen Kind. 2 gegen 2 statt 1 gegen 1 | Du stößt die Verabredung an und hältst dich dann heraus. „Coole Idee. Hopp nochmal“ wirkt hier am stärksten | Positionen, Aufstellungen, Laufwege. Alles, was mehr als einen Mitspieler im Kopf verlangt |
| 9–10 Jahre (E) | Das Kind verabredet sich selbst und geht raus. 3 gegen 3 auf dem Platz, ohne Erwachsenen. Es zählt mit und will wissen, ob es besser wird | Du fährst hin und schaust nicht zu. Zurückhaltung ist auf dieser Stufe die ganze Leistung | Danebenstehen und rückmelden. Das ist der Fehler, den ich hier am häufigsten sehe, und der, der am schnellsten wirkt. Und das Lob für den Schuss, der nichts war, wird jetzt durchschaut |
Minuten fehlen mit Absicht. Wie lange ein Kind auf welcher Stufe bei einer Sache bleibt, weiß ich nicht in Zahlen, und eine erfundene Aufmerksamkeitsspanne fliegt beim ersten Nachfragen auf. Dass Fünf- und Sechsjährige den Mitspieler noch nicht mitdenken, beschreibt der Südbadische Fußballverband so für die G-Jugend: ballfixiert, Mitspieler spielen noch keine große Rolle (nachgesehen am 28.08.2026). Für die Stufen darüber gibt es diesen Satz von keinem Verband, dort ist es meine Beobachtung.
Privattrainer und Camps
Als Ersatz für Zeit am Ball taugt ein Privattrainer nichts. Er gibt deinem Kind eine Stunde in der Woche mit einem Erwachsenen, der ihm sagt, was es tun soll, und davon hat ein Kind in diesem Alter schon genug.
Als zusätzlicher Reiz sieht es anders aus, und das habe ich oft genug gesehen, um es hierhin zu schreiben. Meistens sind es ehemalige Profis, und die Kinder gehen mit einer Ehrfurcht in diese Stunden, die sie am Dienstagabend nicht mitbringen. Sie hören zu. Wenn in dieser Stunde Koordination und Ballgeschicklichkeit geübt werden, bringt das etwas, gerade wegen des Respekts, den das Kind mitbringt.
Fußballcamps halte ich aus einem ähnlichen Grund für eine gute Sache. Eine Woche mit fremden Trainern, fremden Kindern und viel Ball ist etwas anderes als das Vereinstraining, und die Kinder kommen daraus meistens mit mehr zurück als mit einem Trikot. Welche es in deiner Nähe gibt, steht im Verzeichnis der Fußballcamps.
Wenn dein Kind weiter ist als die Gruppe
Dann ist das eine andere Frage, und sie fängt nicht zu Hause an. Ob man mit sieben überhaupt sehen kann, was aus einem Kind wird, und was Sichtung und Stützpunkt bedeuten, steht in Kapitel 14: Ist mein Kind talentiert?.
Häufige Fragen
Wie oft sollte mein Kind zu Hause Fußball üben?
So oft, wie es selbst den Ball holt. Eine Zahl als Soll gibt es hier nicht, weil aus einem Soll ein zweites Training wird. Was ich sagen kann: Zehn Minuten öfter bringen mehr als eine Stunde am Sonntag, und die Kinder, die bei uns herausstechen, haben den Ball sechs- bis neunmal die Woche am Fuß, ohne dass jemand einen Plan gemacht hätte.
Lohnt sich ein Privattrainer für ein Kind mit sieben?
Als Ersatz für Zeit am Ball nicht. Eine Stunde in der Woche mit einem Erwachsenen, der sagt, was zu tun ist, hat ein Kind in dem Alter schon. Als zusätzlicher Reiz kann er etwas bringen, das habe ich oft genug gesehen: Meistens sind es ehemalige Profis, und die Kinder hören dort zu wie sonst nie.
Welche Übungen soll mein Kind zu Hause machen?
Keine. Ein Ball, der im Flur liegt, eine Wand, ein Gegenüber und ein Kind, das bestimmt, wann Schluss ist. Was ein Kind zu Hause sinnvoll tut, ist mit vier etwas anderes als mit zehn, die Tabelle im Text staffelt das.
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