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Trainingsphilosophie Deutschland: was der DFB dir sagt

Drei Merkmale, 48 Minuten Nettospielzeit, mehrere Felder: was der DFB neuen Trainern vorgibt, was die Zahl gerechnet heißt und was daraus für den Dienstag folgt.

9 Min. Lesezeitvon

„Muss ich mir das alles selbst ausdenken?“ Nein. Es gibt eine ausformulierte Philosophie (Konzept) des Verbands, sie heißt Trainingsphilosophie Deutschland, sie ist für genau deinen Dienstagabend gemacht und nicht für den Leistungsbereich, und dahinter steht sehr viel Material, das nichts kostet. Das Material ist gut, und in meiner Umgebung kannte es fast niemand, der gerade zum ersten Mal ein Training organisiert.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 05 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer.

Kleiner machen, damit mehr passiert

Der Kern ist immer derselbe Gedanke: kleiner machen, damit mehr passiert. Weniger Kinder je Feld, kürzere Wege, mehr Tore, mehr Entscheidungen. Spielen statt Üben, und Üben nur dort, wo das Spiel es nicht von selbst hergibt. Die Schrift beschränkt sich deshalb auf Spielformen vom 1 gegen 1 bis zum 4 gegen 4, und sie sagt auch, warum: In diesen kleinen Formen kommt jedes Kind auf ein Vielfaches der Aktionen, die es im 7 gegen 7 hätte.

Dazu gehört ein zweiter Gedanke, der weniger präsent ist. Kinder sollen möglichst oft in Situationen kommen, in denen sie selbst entscheiden müssen. Sehen, abwägen, machen, ohne dass jemand von außen ruft. Deshalb sind die Formen klein, deshalb gibt es mehr als ein Tor, und deshalb soll der Trainer still sein. Mir hat der Kurs zum Kindertrainer-Zertifikat da ein Stück weit die Augen geöffnet: Kinder lernen Fußball nicht, indem wir Erwachsenen ihnen jede Lösung vorsagen. Gehört habe ich von der Trainingsphilosophie überhaupt zum ersten Mal in diesem Kurs, und danach habe ich im Internet weiter recherchiert.

Freude, Intensität, Wiederholung: woran du sie am Dienstag siehst

Der Verband nennt drei Qualitätsmerkmale, an denen sich jede Einheit messen lassen soll: Freude, Intensität und Wiederholung. Brauchbar werden die drei Wörter, wenn man sie in etwas übersetzt, das man auf dem Platz sehen kann.

Freude heißt etwas Bestimmtes: Es wird auf Tore gespielt, jedes Spiel fängt bei 0:0 an, jedes Kind hat viele Aktionen, und die Kinder haben Freiheiten beim Lösen einer Situation. Am Dienstag siehst du das daran, dass nicht nur die besten Kindertore schießen, sondern alle.

Intensität heißt hohe Nettospielzeit ohne Standzeiten. 48 Minuten Spielzeit netto soll jedes Kind mindestens bekommen pro Woche.

Wiederholung heißt: Besser werden Kinder nur über viele Aktionen. Der DFB rechnet vor, dass ein Kind in einer Einheit mit 3-gegen-3-Formen auf rund 200 Ballaktionen kommt und im 7 gegen 7 auf rund 50. Bei 2 gegen 2 sind das sogar noch mehr und bei 4 gegen 4 und 5 gegen 5 liegen wir natürlich in der Mitte.

Die 48 Minuten, vorgerechnet

Der Verband will, dass jedes Kind von der U8 bis zur U16 mindestens 48 Minuten je Woche tatsächlich im Spiel ist, ab der U17 mindestens 32. Netto heißt: die Zeit, in der dieses eine Kind spielt. Nicht die Länge der Einheit, nicht die Zeit, in der es zuhört oder in der Reihe steht. Dazu kommt die Empfehlung, mindestens zweimal die Woche zu trainieren, auf mehreren Feldern gleichzeitig. Der Verband knüpft die Zahl ausdrücklich daran.

(Ich persönlich hatte früher meine 48 Minuten Spielzeit hinter mir, bevor ich montags überhaupt aus der Schule gekommen bin.)

Wie das rechnerisch aussieht, kannst du mit dem Ablauf aus dem nächsten Kapitel durchgehen. Er hat in neunzig Minuten rund siebzig Minuten Spielblöcke, der Rest sind Kreis, Trinken und Aufräumen.

AufbauWer spielt gleichzeitigNetto je Kind und EinheitJe Woche bei zwei Einheiten
Vier Felder, zwei gegen zwei oder drei gegen dreialle vierzehnrund 70 Minutenrund 140. Die 48 sind nach einer Einheit erreicht
Ein Feld, drei gegen drei, acht Kinder warten am Randsechs von vierzehnrund 30 Minutenrund 60, und mit jedem Ball im Gebüsch weniger
Ein Feld, sieben gegen siebenalle vierzehnrund 70 Minuten auf dem Feld, aber ein Viertel der Aktionendie Minuten stimmen, die Wiederholung nicht
Eine Übungsform mit Reihe: ein Kind schießt, dreizehn warteneinesrund 5 Minutenrund 10

Natürlich stoppt diese Zeiten niemand. Aber die Tabelle zeigt, warum der Platz, bevor die Kinder kommen, so aussieht, wie er aussieht: Die Felder, die um fünf stehen, sind die Nettospielzeit. Wer nur einmal die Woche trainiert, halbiert die rechte Spalte.

Kein Trainingsplan

Die Philosophie sagt dir nicht, was am Dienstag drankommt. Sie sagt, worauf es in einem Alter ankommt und was warten kann, und sie ist deshalb kürzer und gröber, als man erwartet. Es gibt eine Mustereinheit mit einem Übungsblock in der Mitte. Für mich ist das ein bisschen ein fancy DFB-Traum, und bei uns läuft es etwas anders. Aber die Ideen sind gut.

Und sie gilt von den Bambini bis zu den A-Junioren, nicht nur für den Kinderfußball. Wie groß eine Spielform in deiner Stufe höchstens sein soll, steht in Was in welchem Alter dran ist, wie viele Erwachsene du je Kind brauchst, in Vierzehn Kinder, ein Platz.

Das Material dahinter, und der Name, nach dem du suchst

Was hinter der Philosophie an Material steht, ist der eigentliche Gewinn: Sammlungen von Spielformen, Videos, Handouts für den Trainingsabend, das meiste davon kostenlos. Mir geben die Flipbooks und die Trainerdialoge des DFB bis heute Anregungen, da findet man immer wieder etwas. Was es im Einzelnen gibt und wo es liegt, ist Kapitel 16 des Leitfadens.

Den Namen nenne ich, weil man dann weiß, wonach man sucht: Hannes Wolf, beim DFB Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung, trägt die Gesamtverantwortung für die Schrift. Wer die Quelle selbst lesen will, sucht nach ihm bei Google und Youtube.

Und wenn dir eine Stunde am Bildschirm lieber ist als 70 Seiten: Seit dem 22. August 2026 gibt es die Philosophie als kostenlosen Online-Kurs des DFB, sechzehn kurze Kapitel, ein mein.DFB-Konto reicht. Was drinsteht und was das Zertifikat am Ende wert ist, steht im Artikel zum E-Learning.

Welche Seiten du liest, und welche du lässt

Die 70 Seiten musst du nicht lesen. Für den Anfang reichen drei:

SeiteWas dort stehtWas du davon mitnimmst
8Die drei Merkmale im Wortlaut, die 48 Minuten, mindestens zwei Einheiten je Woche, mehrere FelderDie Sätze für den Elternabend, wenn jemand fragt, warum die Felder so klein sind
9Die Tabelle „Wiederholungszahlen“: 3 gegen 3 gegen 7 gegen 7, je Einheit und hochgerechnetDie Zahl 200 gegen 50, für den Abend, an dem du selbst schwankst
11Die Höchstgröße der Spielform je Altersklasse, der Betreuungsschlüssel, die Einteilung der Felder nach Entwicklungsstand statt nach JahrgangDie Antwort auf „Wie viele Erwachsene brauche ich?“ und „Darf ich nach Stärke einteilen?“

Die Interviews, die Grafik zu den U23-Einsätzen auf Seite 6 und alles, was erst ab der C-Jugend gilt, kannst du lassen.

Warum es das überhaupt gibt

Und hier kommt eine ganz persönliche Meinung: Die Problemanalyse des DFB ist gut. Der Verband nennt zwei Gründe. Zu wenige deutsche U21-Spieler bekommen in den Profiligen Einsatzzeit, und zu viele Kinder hören ab der D-Jugend wieder auf. Für beides sieht er die Ursache in der Ausbildung, und er schreibt das ohne die üblichen Ausflüchte hin. Der zweite Grund ist der, der uns betrifft.

Man muss die Schlüsse nicht in jedem Punkt teilen, um von der Analyse etwas zu haben. Ich teile sie weitgehend. Was ich nicht teile, ist die Dosis. Manches von dem, was der DFB zeigt, ist für den Elterntrainer im Breitensport ein bisschen viel, für die F- und G-Jugend erst recht. Wichtiger als die Schlüsse ist aber, dass jemand die Arbeit gemacht hat, dass das Ergebnis öffentlich ist und dass es uns nichts kostet.

Eine Form, nicht zehn

Wie du das Material praktisch benutzt: Nimm dir eine Spielform heraus. Bau sie am Dienstag auf, sieh, was passiert, und behalte sie, wenn sie funktioniert hat. Nach zehn Wochen hast du funktionierende Spielformen, die du kennst, und das ist mehr wert als eine Sammlung von hundert Übungen mit Stangen und Hütchen.

Ausprobiert habe ich zuerst zwei gegen zwei und eins gegen eins mit Überzahl. Bei uns läuft so zum Beispiel auch das Spiel mit dem wechselnden Angriffsrecht: zwei Teams auf ein Tor, ich stehe im Mittelfeld als Anspielstation, und wer den Ball erobert, spielt erst zu mir, bevor er angreifen darf. Wie die Form läuft und wie du sie leichter und schwerer machst, steht in F-Jugendtraining: Tipps für Trainer.

Was daraus für Dienstag folgt

Vier Sätze, meine Kurzfassung und kein Verbandstext:

  1. Mehr Bälle als Kinder in der Warteschlange. Warum nicht 20 oder 40 Bälle für 10 Kinder? Wenn ein Kind wartet, ist die Übungsform falsch.
  2. Kleine Felder, kleine Mannschaften. Zwei gegen zwei und drei gegen drei sind die Form, in der Kinder am meisten lernen.
  3. Spielformen vor Übungsformen. Wer eine Sache üben will, sucht zuerst das Spiel, in dem sie vorkommt.
  4. Du redest weniger, als du glaubst. Alles, was du erklärst, fehlt an Spielzeit. Einzeltipp-Coaching kann jederzeit und immer angewandt werden.

Ich habe auch eine Trainingsphilosophie-Reihe für Eltern geschrieben. Man kann sie einfach weiterleiten. Trainingsphilosophie Deutschland: was Eltern am Platz sehen. Diese Sicht zu kennen hilft am Elternabend.

Wenn du weißt, wonach du trainierst, bleibt die Frage, was du am Dienstag konkret aufbaust. Das ist das nächste Kapitel, von der ersten bis zur letzten Minute: Die erste Trainingseinheit.

Quelle für die drei Qualitätsmerkmale, die Nettospielzeiten von 48 und 32 Minuten und die Empfehlung zu zwei Einheiten je Woche auf mehreren Feldern: Deutscher Fußball-Bund, Trainingsphilosophie Deutschland. Entwicklung individueller Qualität, Fassung vom 14. Oktober 2024, Seite 8; die Tabelle „Wiederholungszahlen“ Seite 9, die beiden Gründe und die Grafik zu den U23-Einsätzen Seite 6, Spielformgrößen, Betreuungsschlüssel und die Einteilung der Felder Seite 11, Hannes Wolf als Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung Seite 5 und mit der Gesamtverantwortung im Impressum Seite 69; abgerufen am 7. September 2026. Die Amtsbezeichnung ist am 20. September 2026 auf der Seite des DFB zur Trainingsphilosophie Deutschland gegengeprüft. Der Online-Kurs nach der Meldung des DFB vom 22. August 2026. Die Rechnung mit den vierzehn Kindern und den siebzig Minuten ist meine, keine Angabe des Verbands.

Häufige Fragen

Muss ich als Elterntrainer die ganze Trainingsphilosophie Deutschland lesen?

Nein. Die Schrift hat 70 Seiten, und für den Anfang reichen drei davon: Seite 8 mit den drei Merkmalen und den 48 Minuten, Seite 9 mit der Tabelle zu den Ballaktionen, Seite 11 mit den Spielformgrößen je Altersklasse und dem Betreuungsschlüssel. Wer lieber eine Stunde am Bildschirm sitzt, macht den kostenlosen Online-Kurs des DFB dazu.

Was heißt 48 Minuten Nettospielzeit pro Woche?

Die Zeit, in der ein einzelnes Kind tatsächlich im Spiel ist, zusammengezählt über die Woche. Zuhören, in der Reihe stehen, auf den Ball warten zählt nicht. Der DFB setzt die Zahl für die U8 bis zur U16 an, ab der U17 sind es 32 Minuten, und er sagt dazu, dass sie ohne mehrere Felder gleichzeitig nicht zu erreichen ist.

Ist die Trainingsphilosophie Deutschland verbindlich?

Nein. Sie ist eine Empfehlung des DFB an alle Trainer, keine Ordnung. Was am Samstag im Spielbetrieb gilt, steht in der Jugendordnung des DFB und in den Bestimmungen deines Landesverbands. Ein Datum, ab dem die Philosophie gilt, nennt die Schrift nicht. Die Fassung, die ich benutze, ist vom 14. Oktober 2024.

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