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Trainingsphilosophie Deutschland: was Eltern am Platz sehen

Freude, Intensität, Wiederholung, mehrere Felder: die vier Sätze des DFB-Konzepts und woran du am Rand erkennst, ob euer Training danach läuft.

8 Min. Lesezeitvon

„Warum trainieren die so? Als ich klein war, standen wir in einer Reihe und haben aufs Tor geschossen. Jetzt laufen drei kleine Spiele nebeneinander, und der Trainer sagt fast nichts. Macht der das richtig?“ Hinter dem Training am Dienstagabend steht ein Konzept des DFB, die Trainingsphilosophie Deutschland, und das läuft auf vier Dinge hinaus: Freude, Intensität, Wiederholung, mehrere Felder gleichzeitig.

Das Konzept hat 70 Seiten und liegt kostenlos als PDF im Netz. Verantwortlich dafür ist Hannes Wolf, beim DFB Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung. Die 70 Seiten erzähle ich hier nicht nach. Ich sage, worauf sie hinauslaufen und woran du das am Rand erkennst, ohne selbst Trainer zu sein. Das ist Kapitel 09 des Elternleitfadens in lang.

Was der DFB damit will

Der Verband nennt auf Seite 6 zwei Gründe. Den ersten kannst du überspringen: Zu wenige deutsche U21-Spieler bekommen in den Profiligen Einsatzzeit, und der DFB sieht die Ursache in der Ausbildung. Der zweite betrifft dein Kind. Die „Dropout-Quote“ sei zu hoch: „Viele junge Spielerinnen und Spieler hören bereits ab dem D-Junioren-Alter wieder mit dem Fußballspielen auf.“ Der Verband will, dass sie „erst frühestens im Alter von 35 Jahren ans Aufhören denken“.

Wie viele nach der D-Jugend aufhören, ist nirgends sauber beziffert, dazu mehr in Kapitel 13 des Leitfadens. Sehen kann man den Schwund trotzdem. 2006 gab es im DFB 19.112 Mannschaften bei den A- und B-Junioren, am 1. Oktober 2025 waren es noch 13.597. Bei den Jahrgängen bis vierzehn sind es im selben Zeitraum mehr geworden (DFB-Mitgliederstatistik 2006, DFB-Statistik 2026).

Außerdem steht im Konzept, die Spielformen orientieren sich „an der freien Spielwelt der Kinder und Jugendlichen sowie am früheren Straßenfußball“ (Seite 39). Den Straßenfußball gibt es bei uns kaum noch, weil es kaum noch Bolzplätze gibt. Vier Tore, kleine Mannschaften, kurze Spiele, wenig Ansage: Das ist der Hinterhof, in den Verein geholt. Was der Verein dabei kann und was der Hof, steht unter Verein oder Bolzplatz.

Wie das Konzept bei deinem Verein ankommt

Der Weg ist länger, als man denkt. Zuerst schreibt der DFB auf, wie ausgebildet werden soll. Die Landesverbände übersetzen das in ihre Durchführungsbestimmungen und in ihre Schulungen. In so einer Schulung sitzt irgendwann der Vater, der eure Mannschaft übernommen hat, ein Wochenende lang oder ein paar Abende. Und dann steht er am Dienstag mit vierzehn Kindern auf einem halben Platz.

Gemeint ist er ausdrücklich. Die „Bildungsoffensive“ des DFB richtet sich „von den ‚Mamas und Papas‘ an der Basis bis zu den hauptberuflichen Trainerinnen und Trainern“ (Seite 6).

Die vier Sätze, und woran du sie am Rand erkennst

Freude. Gespielt wird auf Tore, jedes Spiel fängt bei 0:0 an, und die Kinder entscheiden viel selbst (Seite 8). Woran du es erkennst: Viele Kinder sind am Ball, es fallen viele Tore, und jedes Kind hat mal sein Erfolgserlebnis. Alle freuen sich.

Intensität. Viel Nettospielzeit, keine Standzeiten. Der Verband nennt dafür eine Zahl: mindestens 48 Minuten je Woche, in denen ein einzelnes Kind wirklich im Spiel ist, von der U8 bis zur U16 (Seite 8). Das ist die Zeit, die dein Kind spielt, nicht die Länge der Einheit. Woran du es erkennst: Es steht keine Schlange. Kein Kind wartet darauf, dass es auch mal drankommt.

Wiederholung. Besser werden Kinder über viele Aktionen. Der DFB rechnet auf Seite 9 vor: In einer Einheit mit 3 gegen 3 kommt ein Kind auf rund 200 Ballaktionen, im 7 gegen 7 auf rund 50. Woran du es erkennst: wenige Kinder je Feld, dafür viele kleine Felder. Je kleiner die Mannschaft, desto öfter ist jedes Kind am Ball. Und ob dein Kind im Spiel ist oder nur nebenher rennt, siehst du vom Rand aus sehr gut.

Mehrere Felder gleichzeitig. Die anderen drei hängen daran, und von außen ist es das Ungewohnteste. Das Konzept nennt es „den Schlüssel“ (Seite 8), weil ohne mehrere Felder die Nettospielzeit nicht zusammenkommt. Woran du es erkennst: Zwei oder drei kleine Spiele laufen nebeneinander statt eines großen, und der Trainer steht daneben, statt reinzurufen.

Was daraus für den Trainer folgt und wie er seinen Dienstag danach aufbaut, steht drüben im Trainerleitfaden, Kapitel 05 in lang: Trainingsphilosophie Deutschland: was der DFB dir für den Dienstag sagt.

Die Prüftabelle

Die dritte Spalte sagt, was fehlt, wenn du einen der Sätze nicht siehst: Tore, Bälle, kleine Formen, ein zweiter Erwachsener. Wer versagt, steht da nicht drin.

Der Satz des VerbandsWoran du ihn am Rand erkennstWas fehlt, wenn du ihn nicht siehst
Freude: auf Tore, jedes Spiel bei 0:0, die Kinder entscheidenViele Kinder am Ball, viele Tore, es wird gejubeltTore. Wo auf Hütchen oder gar nicht auf Tore gespielt wird, jubelt niemand
Intensität: viel Nettospielzeit, mindestens 48 Minuten je Woche und Kind ab der U8Es steht keine SchlangeFelder und Bälle. Eine Schlange entsteht, wenn zwölf Kinder auf ein Tor und einen Ball warten
Wiederholung: viele Aktionen je KindWenige Kinder je Feld, und dein Kind ist im Spiel statt nur nebenher zu rennenKleine Formen. Im 7 gegen 7 hat ein Kind nach der Rechnung des DFB ein Viertel der Aktionen eines 3 gegen 3
Mehrere Felder gleichzeitigZwei oder drei kleine Spiele nebeneinander, der Trainer danebenDer zweite Erwachsene. Ein Trainer allein baut zwei Felder auf, keine vier

Wenn du das nicht siehst

Dann macht euer Trainer deshalb noch nichts falsch. Meistens heißt es nur, dass er allein mit vierzehn Kindern dasteht und niemand mit aufbaut. Das Konzept selbst will den zweiten Erwachsenen: Eltern im Training, als Spielfeldbegleiter, bei den Bambini einer je vier Kinder, bei den F-Junioren einer je sechs (Seite 11). Ein Trainer allein mit zwölf Bambini schafft das nicht, egal wie gut seine Schulung war.

Das ist die Stelle, an der du etwas ändern kannst und der Verband nicht. Was ein Spielfeldbegleiter tut und wer es machen kann, steht unter Spielfeldbegleiter.

Was das Konzept je Alter vorgibt

Das Konzept staffelt selbst nach Altersklassen, an drei Stellen: bei der größten erlaubten Spielform, beim Betreuungsschlüssel und bei der Nettospielzeit. Unterhalb der Bambini kennt es nichts.

AlterWas das Konzept vorgibtWoran du es am Rand siehst
3–4 Jahre (vor G)Nichts. Das Konzept kennt keine Stufe unter den Bambini, und die 48 Minuten beginnen bei der U8. Was Vereine hier anbieten, ist ein Vereinsangebot ohne VerbandsvorgabeEs gibt keinen Maßstab des Verbands, nur den aus Kapitel 04 des Leitfadens: Hat jedes Kind einen Ball, und steht niemand an
5–6 Jahre (G, Bambini)Spielformen höchstens 2 gegen 2, ein Spielfeldbegleiter je vier Kinder, „besonders viele Felder“ (Seite 11). Die 48 Minuten gelten formal erst ab U8Vier Kinder je Feld, viele kleine Felder, Erwachsene am Feld statt am Rand. Ein Trainer allein mit zwölf Bambini kann das nicht erfüllen
7–8 Jahre (F)Spielformen höchstens 3 plus Torwart gegen 3 plus Torwart, ein Begleiter je sechs Kinder, mindestens 48 Minuten netto je Woche und KindSechs bis acht Kinder je Feld, keine Schlange, Wechsel nach kurzer Zeit
9–10 Jahre (E)Spielformen höchstens 4 plus Torwart gegen 4 plus Torwart, 48 Minuten, Felder „nach dem Entwicklungsstand der Spieler“ einteilen, nicht nach Jahrgang (Seite 11)Gruppen nach Stärke statt nach Geburtsjahr, und ein Kind darf bei den Jüngeren oder Älteren mitspielen

Für Drei- und Vierjährige steht also nichts drin, und ich erfinde auch nichts. Bei den Bambini ist die Rechnung einfach: zwölf Kinder, höchstens 2 gegen 2, macht drei Felder und drei Erwachsene. In der F-Jugend darf die Form wachsen, auf höchstens acht Kinder je Feld. Und in der E-Jugend kommt etwas dazu, womit Eltern selten rechnen: Das Konzept will die Felder danach einteilen, wie weit ein Kind ist, weil das biologische Alter vom kalendarischen um bis zu fünf Jahre abweichen kann. Dein Kind spielt dann vielleicht mit Jüngeren, und das ist so gewollt. Was das für die Frage nach dem Talent heißt, steht in Kapitel 14 des Leitfadens.

Für neugierige Eltern

Das PDF ist oben verlinkt. Seit dem 22. August 2026 gibt es das Konzept außerdem als kostenlosen Online-Kurs unter elearning.meinfussball.de: sechzehn kurze Kapitel, rund eine Stunde, ein mein.DFB-Konto genügt. Gemacht ist der Kurs für Trainer, aber Eltern dürfen genauso rein. Wenn du wissen willst, wonach euer Trainer arbeiten soll, ist das die schnellste Stunde dafür. Was das Zertifikat am Ende wert ist und wofür der Kurs nicht reicht, steht unter Das kostenlose E-Learning des DFB.

Warum es so etwas überhaupt gibt

Über zwei Millionen Kinder und Jugendliche spielen in Deutschland Fußball, so steht es auf Seite 5. Ein Verband mit so vielen Kindern kann nicht jeden Trainer selbst ausbilden. Was er kann: aufschreiben, worauf es ankommt, und das so einfach, dass es an einem Schulungswochenende hängen bleibt.

Deshalb ist das Konzept kürzer und gröber, als man erwartet. Es sagt, was in einem Alter im Vordergrund steht und was warten kann. Welche Übung am Dienstag drankommt, muss der Trainer selbst wissen. Ein Datum, ab dem es gilt, nennt es übrigens nicht: Die archivierte Fassung ist vom 14. Oktober 2024, und einen Beschluss dazu habe ich nicht gefunden.

Wenn du bei euch die vier Sätze nicht siehst und wissen willst, was das für die Kinder heißt, lies Kapitel 08 des Leitfadens: Funino: was Eltern am Spielfeldrand sehen. Und wie so eine Einheit in der F-Jugend konkret aussieht, mit Kapitänen und Bananen, steht unter F-Jugendtraining: was Eltern wissen sollten.

Häufige Fragen

Was ist die Trainingsphilosophie Deutschland?

Ein Konzept des DFB, 70 Seiten, kostenlos als PDF, verantwortet von Hannes Wolf, Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung. Es sagt, wie im Kinder- und Jugendfußball trainiert werden soll: in kleinen Spielformen vom 1 gegen 1 bis zum 4 gegen 4, auf mehreren Feldern gleichzeitig, mit mindestens 48 Minuten Nettospielzeit je Woche und Kind ab der U8.

Seit wann gilt die Trainingsphilosophie Deutschland?

Die Fassung, die wir archiviert haben, ist vom 14. Oktober 2024. Einen Beschluss, ab wann sie verbindlich gilt, habe ich nicht gefunden, und das Konzept selbst nennt keinen. Verbindlich ist es ohnehin nicht, es ist eine Empfehlung an alle Trainer. Was im Spielbetrieb gilt, steht in der Jugendordnung.

Kann ich als Elternteil den DFB-Kurs dazu machen?

Ja. Der Online-Kurs zur Trainingsphilosophie unter elearning.meinfussball.de ist kostenlos, dauert rund eine Stunde, und die einzige Voraussetzung ist ein mein.DFB-Konto. Gemacht ist er für Trainer, aber beim Anmelden fragt niemand, ob du eine Mannschaft hast.

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