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Training

Vierzehn Kinder bei der Sache halten: Ansage, Namen, Felder

Kürzer reden, als du glaubst, mehr Felder aufbauen, als dir lieb ist, und Namen zuerst: was gegen Unruhe im Kindertraining hilft, mit Zahlen aus der F-Jugend und vom DFB.

8 Min. Lesezeitvon

„Wie bändigt man alleine eine Gruppe von 14 wilden Fußballkindern?“ Kurze Antwort: Mit Führungsspielern, mehr Fußbällen, mehr Spielfeldern und eventuell auch Spielfeldbegleitern.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 08 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer. Es geht hier um den Ablauf: wie viele Erwachsene du brauchst, wie lang eine Ansage sein darf, wie ein Übergang läuft und was du im Winter machst.

Wie viele Kinder ein Erwachsener führen kann

Der DFB gibt uns eine konkrete Empfehlung in der Trainingsphilosophie Deutschland: für die Bambini ein Begleiter je vier Kinder, für die F-Junioren einer je sechs Spieler, gegebenenfalls zuzüglich zweier Torhüter. Gemeint sind Eltern, die als Spielfeldbegleiter mit ins Training kommen. Einen „Fußball-Background“ müssen sie ausdrücklich nicht haben. Bambini heißt in der Jugendordnung G-Junioren, die Vier gilt also für die Jüngsten selbst.

Für vierzehn Kinder heißt das: Eine F-Jugend bräuchte drei Erwachsene, eine G-Jugend vier. Vierzehn Kinder allein über neunzig Minuten bei der Sache zu halten ist schwer, weniger wegen der Disziplin als wegen der Wege: Du kannst zwar an zwei Feldern gleichzeitig stehen, aber mehr als ein Feld zu beobachten ist wirklich schwierig.

Wo du die Erwachsenen herbekommst, steht in Eltern führen. Was sie am Feld dann tun, wer dafür infrage kommt und wie aus zwei Trainern und zwei Eltern vier Felder werden, steht in Spielfeldbegleiter: was sie tun und wer es machen kann.

Trainingskapitäne: die Kinder helfen mit

Erwachsene sind das eine. Bei uns ernenne ich dazu jede Woche zwei Trainingskapitäne, jede Woche andere Kinder. Die klären erst einmal die kleinen Fragen auf ihren Feldern, helfen dabei, dass die Regeln eingehalten werden, und loben, und ich muss nicht bei jedem kleinen Streit rüberlaufen. Bei größerem Ärger hole ich die Kapitäne zusammen und frage sie nach ihrer Lösung. Die tragen sie dann auch, wenn sie gegen die eigene Gruppe ausfällt. Wie das im Vier gegen vier bei uns läuft, steht in F-Jugendtraining: Tipps für Trainer.

Wartezeit ist der Gegner

Ein Kind, das wartet, sucht sich etwas. Es tritt gegen ein Hütchen, es zieht jemanden am Leibchen, es geht aufs Klo oder legt sich hin.

Deshalb ist das Mittel gegen Unruhe bei mir selten ein Pfiff und nie ein Schrei, sondern meistens ein zweites Feld. Das Gegenmittel ist banal und ungewohnt: mehr Bälle, mehr Tore, mehr Felder. Keine zusätzlichen Ansagen. Wie viele Felder du für wie viele Kinder brauchst und wie du sie hinstellst, bevor das erste Kind kommt, steht in Der Platz, bevor die Kinder kommen. Wenn du zwischen zwei Formen umbauen musst, ist beim Aufbau etwas schiefgegangen.

Wie lange du am Stück reden kannst

Kurz. Kürzer, als du meinst. Meine Beobachtung aus dem F-Jugend-Training mit zwölf bis sechzehn Kindern: Nach etwa dreißig Sekunden schaut das erste Kind weg, nach einer Minute ist ein Drittel woanders, und wer zwei Minuten erklärt, muss danach noch einmal erklären. Zwei Kinder, die aufs Klo müssen, sobald du anfängst zu erklären, sind kein Zufall. Das ist die Rückmeldung, dass die Ansage zu lang war. Ich höre mich auch gerne reden, aber ich muss mich hier wirklich zusammenreißen.

Zeig die Form, statt sie zu beschreiben. Lass zwei Kinder vormachen, während du zwei Sätze sagst. Und erklär die zweite Hälfte der Regeln erst, wenn die erste läuft. Was ich während der Form dann noch sage, ist kurz: „Kopf hoch“, „weiter“, „jetzt verteidigen“.

Ab und an rufe ich Einfrieren und alle Kinder müssen stehen bleiben und ich versuche die Situation zu erklären. Aber alle Kinder sind genervt durch die Unterbrechung und das sollte man maximal einmal im Training machen.

Die Staffel: Erwachsene, Ansage, Übergang

Zwischen einem Fünfjährigen und einem Zehnjährigen liegt bei der Ansage ein Faktor vier, und beim Betreuungsschlüssel eine Verbandszahl gegen keine.

StufeErwachsene je KinderAnsage am StückÜbergang
3–4 Jahre (vor G)keine Verbandszahl; so viele, wie da sindkeine, du zeigst, und die Kinder laufen hinterhergibt es nicht: die nächste Form fängt an, wo die Kinder stehen
5–6 Jahre (G, Bambini)einer je vier (DFB)30 Sekundenklatschen, zeigen, los
7–8 Jahre (F)einer je sechs (DFB)1 Minutedie drei Schritte unten
9–10 Jahre (E)keine Verbandszahl2 Minutendie drei Schritte, und der Kreis darf ein Kreis sein

Namen

Namen kosten nichts, aber in der G-Jugend ist es noch keine Selbstverständlichkeit, alle Kinder beim Namen zu kennen. Ein Kind, das mit Namen angesprochen wird, verhält sich anders als eines, das „hey, du“ heißt. Es reagiert schneller, es fragt eher nach, und es kommt beim nächsten Mal wieder.

Bei unseren vierzehn Kindern habe ich von Anfang an versucht, die Namen zu lernen. Lern sie in der ersten Woche und nicht über die Saison verteilt. Begrüß jedes Kind einzeln, wenn es kommt, und verabschiede jedes einzeln. Das sind zwei Minuten am Abend. Bei uns geht das beim Warmkicken von selbst: Ich stehe am Rand, während die ersten auf die Tore schießen, und jedes Kind, das kommt, sagt Hallo und wird dann auch von mir begrüßt.

Wenn du dir keinen Namen merken kannst, dann mach Fotos von den Kindern und leg sie dir ins Handy. Dann kannst du heimlich auf dein Handy schauen.

Die Übergänge: drei Schritte

Eine Gruppe verlierst man als Trainer oft zwischen zwei Spiel- oder Übungsformen, nicht während des Spielens. Dort steht sie herum, hört Ansagen und wartet auf dich oder sie trinken gerade. Der Übergang hat bei mir drei Schritte:

  1. Eine Ansage, was wir als nächstes machen und wer wie wo spielt.
  2. Dann legen wir mit dem Spielen los.
  3. Zusätzliche Regeln führe ich dann nach dem Start ein.

Am Ende setzen wir uns alle zusammen, machen noch eine kurze Abschlussbesprechung, verabschieden uns und räumen dann gemeinsam auf. Wenn wir noch etwas Zeit haben, frage ich auch die Trainingskapitäne nach ihrem Eindruck.

Was du machst, statt es zu sagen

Wie kann man eine Gruppe coachen, ohne dass man ihr permanent etwas zuruft? Das ist die Gretchenfrage, und hier sind ein paar Beispiele. Die meisten Sätze, die ich im Kindertraining gesagt habe, ließen sich durch ein paar Handgriffe ersetzen.

Statt zu sagenMachst du
„Ihr müsst euch mehr anbieten“ein Tor mehr aufstellen
„Nicht alle zum Ball“das Feld schmaler und länger machen
„Konzentriert euch“die Form wechseln, die Gruppe ist müde
„Seid mal leise“anfangen lassen, es wird von selbst leise
„Jetzt hört doch mal zu“die Ansage abbrechen und zeigen
„Spielt doch mal ab“ein Tor zählt erst, wenn alle drei den Ball berührt haben
„Guckt hoch“vier Tore statt zwei, dann müssen zwei Ziele im Blick bleiben
„Lass die anderen auch mal“dem starken Kind nach dem Tor eine Zusatzaufgabe geben: Stange berühren, Purzelbaum
„Holt den Ball“drei Bälle liegen am Feld bereit, keiner holt während des Spiels
„Jetzt geht trinken“die Flaschen stehen am Rand der Felder und nicht in der Kabine

Das ist derselbe Gedanke wie in Kapitel 03: Der Aufbau löst mehr als die Ansprache.

Regen, Kälte, Dunkelheit, und der Platz ist belegt

Vier Dinge, die im Winter jede Woche vorkommen.

Regen: Das Training fällt nicht aus, es wird kürzer und läuft ohne Standzeiten. Die Kinder stört Regen weniger als das Warten im Regen. Wir spielen eh schon viel, aber das Spielen und die Wettkämpfe werden bei fünf Grad wichtiger als im Mai, weil dabei niemand auskühlt.

Kälte: Kein langer Kreis am Anfang. Erst laufen lassen, dann reden, und die Ansage findet in Bewegung statt.

Dunkelheit: Wenn nur ein Teil des Platzes beleuchtet ist, bau alle Felder dorthin und mach sie kleiner. Ein kleines beleuchtetes Feld schlägt ein großes im Halbdunkeln. Eventuell auch früher trainieren.

Der Platz ist belegt: Klär vorher, wem er wann gehört, und halte eine Fassung deiner Einheit auf einem Viertel Platz bereit. Bei uns hängt das auch davon ab, welches Material gerade auf dem Feld steht und welches woanders benutzt wird, und dann muss ich eben improvisieren. Die Fassung besteht aus denselben Formen wie der Ablauf der ersten Trainingseinheit, nur auf kleineren Feldern und mit weniger Kindern je Feld:

BlockAuf dem halben PlatzAuf dem Viertel
Warmkickenschießen auf alle Tore, die stehengleich, nur mit der Hälfte der Bälle, sonst liegen sie alle im Nachbarfeld
Zwei gegen zweivier Felder, vier Tore je Feldvier Felder, halb so groß, Hütchentore statt Mini-Tore, wenn die Tore nicht mehr passen
Drei gegen dreizwei größere Felderbleibt zwei gegen zwei auf den vier kleinen Feldern, der Umbau fällt weg
Freies Spielzwei Felderein Feld, zwei Mannschaften spielen, die anderen zwei machen daneben die Zwischenform, nach fünf Minuten wird getauscht

Wenn nichts davon reicht, weil ein Kind an dem Abend laufend über die Grenze geht, hilft kein weiteres Feld mehr. Dann ist die Frage eine andere: Was passiert, wenn einer frech wird, jemanden umtritt oder beleidigt? Das steht im nächsten Kapitel, Regeln, Ton und Grenzen.

Quelle zum Betreuungsschlüssel (ein Begleiter je vier Bambini, einer je sechs F-Junioren, kein „Fußball-Background“ nötig, für E keine Zahl): Deutscher Fußball-Bund, Trainingsphilosophie Deutschland. Entwicklung individueller Qualität, Fassung vom 14. Oktober 2024, Seiten 11 und 64, abgerufen am 19. September 2026. Dass Bambini die G-Junioren sind: § 5 der DFB-Jugendordnung, Stand 21. August 2026. Die Ansagezeiten, die Handgriffe und die Winterfälle sind Erfahrung aus Patricks Training, keine Vorgabe des Verbands.

Häufige Fragen

Wie viele Kinder kann ein Trainer allein trainieren?

Der DFB nennt in der Trainingsphilosophie Deutschland einen Begleiter je vier Kinder bei den Bambini und einen je sechs in der F-Jugend, für die E-Jugend keine Zahl. Für vierzehn Kinder heißt das drei Erwachsene in der F und vier in der G. Gemeint sind Eltern, die mit ins Training kommen, ohne Fußballwissen.

Wie lange darf eine Ansage im Kindertraining dauern?

Aus meinem F-Jugend-Training: Nach etwa dreißig Sekunden schaut das erste Kind weg, nach einer Minute ist ein Drittel woanders, und wer zwei Minuten erklärt, erklärt danach noch einmal. Bei Fünfjährigen sind es dreißig Sekunden, bei Zehnjährigen zwei Minuten. Länger geht bei uns nicht.

Was mache ich, wenn die Kinder im Training nicht zuhören?

Die Ansage abbrechen und zeigen. Zwei Kinder vormachen lassen, den Rest anfangen lassen. Wenn es nicht am Zuhören liegt, sondern am Warten, hilft ein zweites Feld mehr als jeder Satz. Wenn ein Kind laufend über die Grenze geht, ist das ein anderes Thema, und das steht im Kapitel zu Regeln, Ton und Grenzen.

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