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Training

Warum machst du das? Die Frage vor der ersten Einheit

Für mein Kind, für die Gruppe, für mich: meistens alle drei. Welcher Grund führt, merkst du am Samstag bei 0:2 an vier Stellen, und dafür legst du dir vorher drei Zeilen zurecht.

7 Min. Lesezeitvon

„Warum bin ich Kindertrainer, und was will ich erreichen?“ Diese Frage solltest du dir selbst stellen und zwar bevor du 0:3 am Samstag hinten liegst und die Stimmung schlecht ist.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 01 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer.

Warum du dir die Antwort einmal gibst

Die Frage klingt nach Selbstfindung. Gemeint ist etwas Praktisches: Es hilft, sich die Antwort einmal selbst zu geben und daraus so etwas wie einen Leitstern zu machen. Im Alltag brauchst du ihn kaum. Am Dienstag geht es um Hütchen, Bälle, die Frage, ob alle ihre Flasche dabeihaben und ob der Platz überhaupt frei ist, und da ist jeder für den Spaß.

Aber immer wenn es knifflig wird und anstrengend, ist es gut zu wissen, was man eigentlich wollte. Und knifflig wird es nicht im Training. Es wird knifflig, wenn ein Ergebnis, maulige Kinder, Co-Trainer, Eltern, Gegner und die Zuschauer danebenstehen und an deinen Nerven ziehen.

Drei Gründe, meistens alle auf einmal

Für mein Kind: Man will dabei sein, man will, dass es gut läuft, und man hat mehr Einfluss darauf als jeder andere Elternteil. Das ist der Grund, der am seltensten ausgesprochen wird.

Für die Gruppe: weil sonst niemand zugesagt hat und vierzehn Kinder sonst nicht spielen. Das ist der Grund, den man beim Elternabend nennt, und oft stimmt er auch.

Für mich: weil es Spaß macht, weil man selbst gespielt hat, weil man etwas zurückgeben will. Oder weil man gewinnen will. Auch das Motiv gibt es, und es ist nicht das schlechteste, solange man weiß, dass man es hat. Keiner der drei Gründe ist ein schlechter. Ein Problem wird erst daraus, wenn man einen davon nicht zugibt, weil man dann nicht gegensteuern kann.

Es kann auch helfen, diese Gründe an die Eltern und die Kinder zu kommunizieren.

Hier fängt es an: Aufstellung und Einsatzzeiten

Die erste Stelle ist die Aufstellung, sobald ein Spiel kippt. Es steht 0:2, alle Kinder sind down, die Eltern werden nervös. Wer bleibt jetzt draußen?

Wenn der Grund „für die Gruppe“ führt, spielt das Kind, das dran ist. Wenn das Gewinnen führt, spielt das Kind, das den Ball halten kann, und das schwächere bleibt draußen, drei Abschnitte lang, und auf der Rückfahrt fällt dir auf, dass das nicht der Plan war, den du am Freitagabend auf den Zettel geschrieben hast. Ich versuche, nur mit einem Auswechselspieler anzureisen. Dann gibt es am Samstag wenig zu entscheiden.

Wie gehe ich mit Druck um: der Ton bei Rückstand

Die zweite Stelle ist der Ton. Ob du lauter wirst, und vor allem: gegenüber wem. Und nicht nur bei dir. Bei Rückstand fangen die Kinder an, sich gegenseitig anzumotzen, die stärkeren über die schwächeren. Was du dann tust, solltest du vorher schon wissen und zumindest einmal gedanklich durchgespielt haben. Beim zweiten und dritten Mal wird es immer einfacher.

Der Regelkatalog gilt am Samstag unverändert, für die Kinder und für dich. Wenn du dich nach dem Spiel bei einem Kind entschuldigen musst, war es dein Fehler, und dann entschuldigst du dich auch, vor der Gruppe.

Der offensichtliche Interessenskonflikt: das eigene Kind

Die dritte Stelle ist das eigene Kind. Bekommt es mehr als die anderen oder weniger? Beides kommt vor, und beides aus demselben Grund. Wer es für sein Kind macht, stellt es auf. Wer das nicht zugeben will, stellt es demonstrativ nicht auf. Beides ist gewissermaßen unfair. Es hilft aber, das vorher zu wissen und mit dem Kind und den anderen Kindern eventuell darüber zu reden.

Ich weiß, wovon ich rede: Ich bin auch Trainer-Papa. Der Regelkatalog gilt auch für uns. Er gilt für alle gleich, auch für mein Kind, und bei mir sehen die anderen Kinder auch etwas genauer hin.

Ich habe auch die andere Seite erlebt: zwei Trainer, ein Betreuer, dazu der beste Freund eines Trainerkinds, und schon sind vier von fünf Kaderplätzen belegt, bevor jemand aufgestellt hat. Das sagt nichts über Kindertrainer im Allgemeinen.

Ein anderes Beispiel war ein Gespräch mit einem neuen Kind, das von einem anderen Verein zu uns gewechselt war. Und auf meine Frage, warum denn, kam folgende Antwort: Der Trainer hat seinen eigenen Sohn immer bevorzugt. Dann weiß man Bescheid.

Charakter zeigen bei Niederlagen: wer schuld ist

Die vierte Stelle ist die Schuldfrage nach der Niederlage. Nach Niederlagen werden Schuldige gesucht, und die Eltern reden auf die Kinder ein. Wie gehst du damit um?

Auch wenn keiner mitzählt, Wissen die Kinder und die Eltern sehr wohl, wie viele Spiele gewonnen oder verloren wurden. In der F- und G-Jugend gibt es auch garantiert viele Gründe, warum das passiert ist. Wenn ein schwächeres Kind mutig ins Tor geht, müssen die anderen eben besser verteidigen.

Aber wie man als Trainer damit umgeht, zeigt der Leitstern.

Der Satz aus dem Elternleitfaden, der für dich doppelt gilt

Im Elternleitfaden steht, dass der Ehrgeiz am Spielfeldrand häufiger der der Eltern ist als der des Kindes. Für dich gilt das doppelt. Die Eltern am Rand rufen etwas hinein, und das war es. Du stellst auf, du wechselst, du redest in der Pause. Dein Ehrgeiz hat mehr Einfluss auf die Kinder, als du dir wünschst. Was am Rand hilft und was schadet, steht in Kapitel 10 des Elternleitfadens, und den Absatz dort über die Eltern liest du am besten einmal als Trainer.

Die Situation, die niemand auf dem Radar hat

Dein Kind hört auf. Die Mannschaft bleibt noch ein halbes Jahr, weil die Saison läuft und der Verein niemanden hat. Wenn dein einziger Grund das eigene Kind war, fehlt dir ab diesem Zeitpunkt der Grund, am Dienstag um fünf auf dem Platz zu stehen.

Der Fall kommt vor, und er steht in keiner Vereinssatzung. Wer die Frage oben für sich beantwortet, beantwortet sie am besten mit diesem Fall im Kopf.

Deine Leitlinien: drei Zeilen, keine Rede

Ich habe mir vorgenommen, mit den Kindern maximal Spaß zu haben, eine ganze Gruppe zu entwickeln und mit einer positiven Einstellung voranzugehen. Egal wem gegenüber: Eltern, Kinder, Gegner, der gegnerische Trainer. In den schwierigen Situationen bewährt es sich dann, diese Leitlinien zu haben. Und sie den Eltern vorher mitzuteilen, am besten am ersten Elternabend, bevor die erste Aufstellung kommentiert wird.

Deine eigenen müssen nicht feierlich sein. Sie sollen auf die vier Stellen oben passen und in die wasserfeste Mappe. Drei Zeilen reichen:

ZeileWas hineingehört
Mein GrundEiner der drei von oben, oder alle drei in der Reihenfolge, in der sie bei dir stehen
Meine Regel für mein eigenes KindEin Satz, den du am Samstag bei 0:2 einhalten kannst. Zum Beispiel: dieselben Regeln, dieselben Minuten wie für alle anderen
Mein erster Satz nach einer NiederlageDer Satz, den du den Kindern sagst, bevor die Eltern etwas sagen. Er darf kurz sein, er darf schwer sein, er soll nicht nach Schuld suchen

Dieses Prinzip gilt von G-Jugend bis E-Jugend.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich diese Frage immer wieder stellt und dass ich sie mir regelmäßig selbst beantworte. Wie das aussieht, steht im Spieltag als Trainer. Was dich die Sache an Zeit kostet, ist das nächste Kapitel: Was auf dich zukommt.

Häufige Fragen

Ist es ein schlechter Grund, Trainer zu werden, weil das eigene Kind in der Mannschaft spielt?

Nein. Ohne diesen Grund gäbe es meine Mannschaft nicht, und ich glaube, viele andere auch nicht. Ein Problem wird daraus erst, wenn du es dir nicht zugibst, weil du dann am Samstag nicht gegensteuern kannst. Wer weiß, dass er es für sein Kind macht, kann sich vorher eine Regel für sein Kind aufschreiben. Wer es nicht weiß, merkt es erst an der Aufstellung.

Darf ein Kindertrainer gewinnen wollen?

Ja. Das Motiv gibt es, und es ist nicht das schlechteste, solange du weißt, dass du es hast. Schwierig wird es, wenn es bei Rückstand die Aufstellung übernimmt: Dann bleiben die schwächeren Kinder draußen, und das war nicht dein Plan vom Freitagabend.

Was schreibe ich mir vor der Saison auf?

Drei Zeilen: mein Grund, meine Regel für mein eigenes Kind, mein erster Satz nach einer Niederlage. Das passt auf einen Zettel in der Mappe. Am Dienstag brauchst du ihn nie, am Samstag bei 0:2 schon.

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