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Entwicklung

Wenn der Trainer schreit

Laut, leise oder nur der Samstag: woran du den Unterschied erkennst, was du tun kannst, ohne dass es auf dein Kind zurückfällt, und wo der Kinderschutz anfängt.

12 Min. Lesezeitvon

Wenn Eltern sagen, der Trainer schreit, dann meinen sie meistens das hier: „Gib ab, gib ab.“ „Warum hast du nicht abgegeben?“ Über den halben Platz, das ganze Spiel lang. Kritik, laut, und ohne Pause.

Dass es dafür immer einen Anlass gäbe, kann ich aus meiner F-Jugend sagen. Die Kinder machen in dem Alter mehr falsch als richtig. Wer will, kann sie eine ganze Einheit lang korrigieren und findet dabei kaum eine Stelle zum Loben. Das Problem ist, dass diese Kritik dann auch noch lauthals reingebrüllt wird.

Ich halte schreiende Trainer für ein Problem, das dem Fußball auf Dauer schadet: Sie machen den eigenen Kindern den Fußball madig, den gegnerischen gleich mit, und sie geben den Eltern am Rand oft eine Rechtfertigung, es genauso zu machen. Und schon hat man eine krakeelende Meute am Spielfeldrand. Ich habe Kinder aufhören sehen, weil der Trainer sie unnötig mies behandelt hat, und das sind auch Talente, die dem Fußball fehlen. Und am Spieltag haben alle schlechte Laune. Es geht auch anders.

Dass der Trainer das unbezahlt macht, nach der Arbeit, und dass die Alternative oft keine Mannschaft ist, steht in Kapitel 11 des Elternleitfadens.

Und „er schreit“ meint drei unterschiedliche Typen von Trainern. Welchen du vor dir hast, siehst du erst im Training, und je nach Typ musst du als Elternteil anders vorgehen.

Der Laute

Der erste schreit eigentlich immer, im Training wie beim Spiel. Er ist ein lauter Charakter, kennt es nur so, und ohne Gebrüll setzt er sich bei den Kindern nicht durch.

Laut sein allein ist aber noch kein Problem. Ein Training mit vierzehn Sechsjährigen auf einem halben Platz ist laut, und wer über dreißig Meter eine Ansage machen muss, ruft. Das ist ausdrücklich kein Anschreien. Die Grenze liegt woanders, und sie ist überschritten, wenn

  • ein Kind vor der Gruppe bloßgestellt wird,
  • einzelne Kinder abwertend angesprochen werden,
  • Strafrunden verteilt werden,
  • Kinder nach dem Training nicht mehr hingehen wollen.

Sowohl Eltern als auch Kinder haben unterschiedliche Antennen für dieses Thema. Ich kenne Kinder, die sehr oft angebrüllt wurden und die trotzdem noch zum Fußball gehen, aber die Eltern das befremdlich finden. Der andere Fall ist problematischer, denn wenn die Kinder einfach nicht mehr hingehen wollen, aber die Eltern den Grund nicht verstehen, wundern sich alle über das seltsame Verhalten des Kindes.

Der Trainer, der nur samstags ausflippt

Der zweite ist im Training nett zu den Kindern. Am Spieltag wirkt die komplette Mannschaft wie auf dem falschen Fuß erwischt, die Kinder machen nicht, was besprochen war, an der Bande stehen dreißig Erwachsene und sehen zu. Dann wird ein sonst ruhiger Elterntrainer hektisch. Erst kommen die Anweisungen schneller, dann lauter, dann kommen Sprüche, die ihm hinterher vielleicht leidtun. Dass er auch noch als Vater dort steht, macht es nicht leichter: Es ist auch seine Mannschaft mit seinem Kind.

Ob du den Lauten oder den hektischen Trainer vom Samstag vor dir hast, siehst du erst im Training. Fallen dieselben Sätze auch dienstags, treffen sie immer dasselbe Kind oder gehen sie nach dem Spiel weiter, ist es der Laute. Bleibt es beim Samstag, war es der Samstag, und sonst beurteilst du einen Menschen nach seinen schlechtesten neunzig Minuten. Das findest du schnell heraus, es kostet dich ein Training.

Praktisch folgt daraus vor allem eines: Am Spieltag sprichst du besser niemanden an. Den Trainer nicht, und die anderen Eltern über ihn auch nicht. Bei 0:3 steht keiner gut da, auch der nicht, der es anspricht. Wenn es läuft, sind viele Dinge schnell vergessen, und die Stimmung entspannt sich von selbst.

Der Ironiker

Der dritte wird eher nicht laut. Das Kind trifft und hört „gutes Tor, aber von dir hätte ich zwei erwartet“. Es trifft noch einmal und hört „der hätte fester reingehen können“. Einzeln ist keiner dieser Sätze ein Problem. Sie kommen nur nicht einzeln, sondern jedes Mal, und das Lob darf nie stehen bleiben. Ich nenne das Lob mit Nachschlag.

Viele dieser Trainer haben es, glaube ich, selbst nie anders gehört und bekommen „das hast du richtig gut gemacht“ schlicht nicht ohne zusätzlichen Kommentar heraus. Wie man lobt, ohne den Satz mit „aber“ weiterzuführen, steht von der anderen Seite aus im Trainerleitfaden, in Regeln, Ton und Grenzen.

Dieser Trainer ist schwerer zu fassen als die beiden anderen, denn es gibt keinen Vorfall. Nichts ist passiert, nichts lässt sich zitieren, und wer es anspricht, steht als überempfindlich da. Die Kinder beeinflusst es trotzdem.

Warum das passiert

Die Trainer setzen sich am Spieltag selbst unter Druck. Sie haben viel Zeit investiert, und die Kinder machen trotzdem Fehler und verlieren Spiele. Die Eltern denken, der Trainer ist ein schlechter Trainer. Der Trainer denkt das auch, und dazu denkt er, die Kinder müssten einfach nur mehr rennen und genau das machen, was er sagt, dann würde es schon funktionieren. Ein Training leiten ist noch mal etwas anderes, als vor dreißig Eltern ein Spiel zu begleiten.

Und im Training sind die Kinder abends müde, unruhig, hungrig. Sie hören noch weniger zu als zu Hause oder in der Schule. Die Trainer machen Trainersachen, erklären zu lange, die Übungen sind zu kompliziert, und dann funktionieren die Übungen nicht. Dann erwarten die Trainer aber Disziplin und Respekt. Oft endet das in einer kleinen Chaos-Spirale. Am Ende der Spirale wird es laut.

Ich kenne das von mir. Wenn das eigene Team mit dem eigenen Sohn verliert, merkt man, wie man selbst verkrampft und wie alle anderen mitverkrampfen, und das ist ein blödes Gefühl. Die Kinder merken das und motzen sich gegenseitig an. Nach dem Spieltag schleicht jeder einzeln in die Kabine.

Das erklärt es und entschuldigt es nicht, wie beim Ehrenamt auch.

Ich habe mir vorgenommen, immer zu 80 Prozent positiv zu sein, auch wenn etwas schiefgeht.

Was du tun kannst, in dieser Reihenfolge

Aus Elternsicht gibt es wenig Handhabe, das Verhalten eines Trainers zu ändern. Fünf Wege gibt es, und die ersten beiden sind meine Empfehlungen.

  1. Beim Training mitmachen. Wenn du so etwas beobachtest, biete dem Trainer Hilfe an. Das E-Learning des DFB ist in einer Stunde gemacht, und dann stellst du dich die neunzig Minuten einfach mit dazu. Eine Person mehr kann die Stimmung kippen, ins Positive: Mit sieben statt vierzehn Kindern je Erwachsenem sind Disziplin und Übungen ein anderes Thema. Ich hatte letztes Jahr in meiner Trainingsgruppe einen zweiten Trainer neben mir, und bei einigen meiner eigenen 0:3-Momente stand ich allein. Die Lösung kostet natürlich einiges an Zeit.

  2. Beim Spieltag mitmachen. Mit aufbauen, mit abbauen, Kuchen backen. Wer das tut, steht auf Augenhöhe und wird gehört, weil er dazugehört. Meine Empfehlung ist ganz klar, daraus mehr als eine Einbahnstraße zu machen. Und wer mitmacht, der darf auch eher mitreden.

  3. Die Vertrauensperson des Trainers. Mit dem Trainer selbst zu reden ist extrem schwer, weil Kritik auf das Kind zurückfallen kann und wird. Er entscheidet über Aufstellung und Ansprache, und im Alltag sagt ihm niemand, wen er aufstellt. Dazu kommt: Die Trainer kennen die Angebote des DFB und entscheiden sich stellenweise aktiv dagegen. Viele Trainer, die ich erlebt habe, scheitern an ihrem eigenen Anspruch. Manche haben aber eine Vertrauensperson, jemanden, der moderater ist und einen Weg zu ihm findet: den Co-Trainer, den Kumpel aus der eigenen Spielerzeit. Den informierst du und bittest ihn, auf den Trainer einzuwirken.

    Bei den Kleinen ist der Hebel des Trainers kürzer, als er aussieht: Beim Spielfest wird nach jedem Tor in fester Reihenfolge gewechselt, so schreibt es Hessen für die Spielzeit 2026/27 vor (Fassung vom 10. Juli 2026), und wie viel dein Kind wirklich spielt, rechnet Einsatzzeiten im Kinderfußball vor. Im Ballungsraum mit Warteliste kann sich ein Trainer die Kinder trotzdem aussuchen, schätze ich. Im Dorfverein mit elf Kindern im Jahrgang wird jedes gebraucht.

    Und wenn es doch das Gespräch sein muss, dann als Notlösung: nicht am Spielfeldrand, nicht direkt nach dem Spiel, nicht vor anderen Eltern, und mit einem Satz, den du dir vorher zurechtlegst. „Mir ist aufgefallen, dass er nach dem Training oft still ist. Fällt dir das auch auf?“ Alternativ kann man ihn auch loben, wenn er einfach mal weniger laut war.

  4. Der Jugendwart. Im Verein sind die Pappenheimer in der Regel bekannt. Trotzdem passiert oft wenig. Zu einem schlechten Trainer ist häufig nur kein Trainer die Alternative, und dann gibt es eben keine Mannschaft. Wie die Rolle bei euch heißt, steht in der Satzung: Jugendleiter, Jugendwart, Jugendobmann. Dazu soll jeder Verein eine Ansprechperson für den Kinderschutz benennen und schulen, einer von fünf Mindeststandards, die der Hessische Fußball-Verband seinen Vereinen auf seiner Seite Kinderrechte und Kinderschutz nennt, abgerufen am 19.09.2026. Ob euer Verein eine hat, kann man den Jugendwart fragen.

  5. Der Vereinswechsel oder das Aufhören ist dann einfach die letzte Ebene.

Am besten sind Weg 1 und 2. Ich glaube, dass eine zweite Person, die einfach da ist, die schlimmsten Ausfälle verhindert, wenn man sich in den Alltag der Mannschaft einbindet.

Was du nicht tust: im Elternchat eskalieren. Nicht aus Rücksicht auf den Trainer, sondern weil danach zwei Lager existieren, dein Kind in einem davon spielt, und die Sache selbst dabei nicht mehr vorkommt.

Welcher Weg bei welchem Trainer

Beim Lauten hilft Mitmachen, vorausgesetzt, er nimmt die Hilfe an. Er ist der schwerste Fall. Beim Samstags-Trainer reicht oft schon der zweite Erwachsene neben ihm, siehe Weg 1. Den Ironiker dagegen kann man auf sein Verhalten hinweisen, weil er meist nicht weiß, was er tut. Das ist das eine Gespräch, zu dem ich rate, und beim Lauten wäre es das falsche.

Was sich mit dem Alter verschiebt

Die Grenze aus der Liste oben ist auf keiner Stufe eine andere. Bloßstellen vor der Gruppe ist mit vier über der Grenze und mit zehn auch. Was sich ändert, ist, welcher der drei Trainer in welchem Alter etwas anrichtet, und woran du es bemerkst, denn ein Vierjähriger meldet etwas anderes als ein Zehnjähriger.

AlterWelcher Trainer hier wirktWoran du es bemerkstWas das für die fünf Wege heißt
3–4 Jahre (vor G)Nur der Laute, und für ein Kind in dem Alter ist der Samstags-Trainer derselbe. Es erlebt Lautstärke, nicht Inhalt: Es weint, läuft zu dir oder macht nicht mehr mit. Bloßstellung vor der Gruppe gibt es noch nicht, weil die Gruppe im Kopf des Kindes noch nicht vorkommtEs will beim nächsten Mal nicht hin. Mehr Maßstab gibt es in dem Alter nicht, und mehr braucht es auch nichtZweimal hinsehen fällt weg. Ein lautes Training reicht, und die Frage ist dann nicht, ob der Trainer der Richtige ist, sondern ob die Gruppe die richtige ist
5–6 Jahre (G, Bambini)Der Laute, und er trifft die Kinder verschieden. Das ballverrückte Kind kickt beim Anschreien weiter und bekommt deshalb am meisten ab, während das sensible nach einem lauten ersten Training weg ist. Der Ironiker läuft hier noch ins Leere: „Von dir hätte ich zwei erwartet“ versteht ein Fünfjähriger nicht als VergleichBeim einen Kind an nichts, es steckt weg, und deshalb sieht bei ihm niemand hin. Beim anderen an allem: Bauchweh am Trainingstag, Weinen im AutoHinsehen heißt hier Training, nicht Spieltag, beim Spielfest der G-Jugend spielen ohnehin alle. Und: Aushalten ist kein Einverständnis
7–8 Jahre (F)Alle drei, und der Laute wird schärfer. Erst jetzt gibt es die Mannschaft als Gruppe, vor der man bloßgestellt werden kann, und einen Spieltag, an dem 0:3 steht. Der Ironiker fängt an zu wirken, weil das Kind sich zum ersten Mal vergleichtDas Kind erzählt noch. Sätze des Trainers kommen zu Hause wörtlich an, und daran hörst du, ob sie einmal fielen oder jedes MalAlle fünf Wege, in der Reihenfolge oben. Die Sorge um die Aufstellung ist hier zum ersten Mal begründet, weil es zum ersten Mal einen Kader gibt
9–10 Jahre (E)Der Ironiker, und er ist hier der gefährlichere. Ein Zehnjähriger weiß, was „der hätte fester reingehen können“ nach einem Tor heißt, und ordnet sich danach ein. Den Lauten hält er besser aus als mit sieben, und hält ihn deshalb für normalDas Kind erzählt nicht mehr, und das ist das Zeichen. Es wird stiller nach dem Training, nicht lauter. Was gesagt wurde, hörst du von Mitspielern oder deren ElternWeg 1 und 2 werden wichtiger als das Gespräch: Ein Zehnjähriger will nicht, dass seine Eltern mit dem Trainer reden, und sagt das auch. Mitmachen ist in dem Alter der Weg, der ohne das Kind auskommt

Das ist jetzt keine genaue Entwicklungspsychologie. Es ist meine Einordnung vom Platz aus, und dein Kind kann eine Stufe früher oder später dran sein.

Wo es aufhört, eine Erziehungsfrage zu sein

Bei Grenzverletzungen gilt der Kinderschutz des Verbands, und dann geht man nicht mehr den kurzen Dienstweg. Dann gilt auch nicht mehr, was der Leitfaden zum Ehrenamt sagt. Was eine Grenzverletzung ist, lege ich hier nicht fest. Dafür gibt es benannte Stellen, und die stehen hier.

In Hessen ist das die Anlaufstelle Kindeswohl des Hessischen Fußball-Verbands, mit einem Referenten, den man anrufen kann, und dahinter das Beratungsteam der Sportjugend Hessen und des Landessportbunds, das nach eigener Angabe auch anonym berät und an Fachberatungsstellen weitervermittelt. Telefonnummer und Adresse stehen auf der Verbandsseite, die oben verlinkt ist.

Welche Stelle in deinem Landesverband zuständig ist, listet der DFB auf seiner Seite Kinder- und Jugendschutz, je Verband mit Namen und E-Mail-Adresse, abgerufen am 19.09.2026. Für den Amateurfußball sind die Landesverbände zuständig, so steht es dort. Wer nicht über den Verband gehen will, ruft die unabhängige Ansprechstelle Safe Sport an: 0800 11 222 00, montags, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 15 bis 17 Uhr (Stand 19.09.2026).

Und wenn dein Kind nach allem nicht mehr hin will, ist das Kapitel 13 des Elternleitfadens: Mein Kind will nicht mehr zum Fußball.

Häufige Fragen

Ist es normal, dass der Kindertrainer schreit?

Laut ist ein Training mit vierzehn Kindern auf einem halben Platz immer, und eine Ansage über dreißig Meter ist Rufen. Die Grenze liegt woanders: wenn ein Kind vor der Gruppe bloßgestellt wird, einzelne Kinder abwertend angesprochen werden, Strafrunden verteilt werden oder Kinder nach dem Training nicht mehr hingehen wollen.

Soll ich den Trainer direkt ansprechen, wenn er mein Kind anschreit?

Nur als Notlösung, und nie am Spieltag. Kritik fällt auf das Kind zurück, und die Trainer, die laut sind, wissen das in der Regel. Besser: eine Vertrauensperson des Trainers informieren, oder selbst ins Training und an den Spieltag, als zweiter Erwachsener. Ansprechen lässt sich der Trainer, der leise lobt und jedes Lob mit einem Aber weiterführt, weil der meist nicht weiß, was er tut.

An wen wende ich mich bei einer Grenzverletzung durch den Trainer?

An den Kinderschutz des Landesverbands, nicht an den kurzen Dienstweg im Verein. In Hessen ist das die Anlaufstelle Kindeswohl des Hessischen Fußball-Verbands; welche Stelle in deinem Verband zuständig ist, listet der DFB auf seiner Seite zum Kinder- und Jugendschutz. Wer nicht über den Verband gehen will, ruft die unabhängige Ansprechstelle Safe Sport an.

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